„Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“

Klingt nach schwerer Kost, oder? Glauben Sie mir, leicht war dieses Theaterstück für niemanden von uns und manchmal war einem auch einfach nur zum Heulen zu Mute.

Am 08.03.2018 hieß es für die Klassen 8b und 8c des Christoph-Graupner-Gymnasiums: „Wir sehen uns ein Theaterstück an.“ Aber wir sind nicht etwa nach Zwickau oder Plauen ins Theater gefahren. Nein, das Theater kam zu uns ins Klassenzimmer. Allein das war schon etwas Besonderes, so wie alles an dieser Vorstellung. Die nächste Überraschung erlebten wir bereits, als wir in einem Klassenzimmer auf die Schauspieler warteten, denn – aus den Schauspielern wurde nur eine Schauspielerin. Als die kleine, zierliche Frau den Raum betrat, hat man gemerkt, dass keiner so richtig wusste, was jetzt hier passieren würde. Die Schauspielerin Julia Hell meinte, wir sollen die Bänke an den Rand schieben und uns in einem Halbkreis aufstellen und dann ging das Theater (im wahrsten Sinne des Wortes) erst so richtig los. Sie bombardierte uns mit Fragen und Aussagen über den Krieg: „Stell dir vor, dein bester Freund und sein kleiner Bruder werden entführt. Sein kleiner Bruder kommt wieder, hat aber nur noch ein Auge und sitzt immer in der Ecke und sagt: ‚Ich weiß nichts, ich weiß nichts, ich weiß nichts.‘ Dein bester Freund aber bleibt verschollen.“ oder „Stell dir vor, deine Heimatstadt, in der du früher immer so gern gelebt hast, ist so sehr zerbombt, dass man sich nirgendwo mehr vor Bomben, Wind und Wetter schützen kann.“ In diesem Moment standen mir die Tränen in den Augen.

Im Grunde genommen wurde dann das dargestellt, was die Flüchtlinge, die zu uns nach Deutschland/Europa kommen, durchmachen müssen. Also sind wir dann zusammen mit der Schauspielerin nach Ägypten ausgewandert. Julia Hell hat uns dann immer erzählt, was gerade passiert. Und wir haben das gemacht, was sie gesagt hat. In Ägypten saßen wir dann 3 Jahre lang in einem Auffanglager fest… Als wir dann endlich anerkannt waren, wurden wir wieder in eine andere Stadt geschickt. Also mussten wir erneut von Vorne beginnen. Sie hat uns erzählt, was die Ägypter von ihr und uns denken: „Was wollen die denn hier?“ oder „Da dürfen die schon bei uns leben und dann zeigen sie sich nicht mal dankbar.“ oder „Diese blöden Europäer mit ihren Frauen, die unserer Religion mit Füßen treten, weil sie sich nicht verschleiern wollen.“ Das waren noch ganz nette Aussagen im Gegensatz zu anderen…

Nach dem Theaterstück haben wir dann noch mit Steffi Liedtke, der Theaterpädagogin, gesprochen. Wir sollten ihr dann mitteilen, was uns am meisten bewegt hatte und warum das so war. Und obwohl manche dasselbe bewegt hatte, hatte trotzdem jeder eine besondere Sicht.

Ich glaube besonders ist das Wort, das am besten beschreibt, wie diese Theatervorstellung von uns als Schüler empfunden wurde.

Tjorven Heid, Kl.8b

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